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"Objekt 424" von Carlo Borer - Übergabe an die Öffentlichkeit

„Objekt 424“ von Carlo Borer neu in Solothurn

Acht Jahre nach seiner Ausstellung „Fixed to Torsion“, welche die Diskussion über den Ankauf eines Werkes von Carlo Borer auslöste, wird heute Dienstag das „Objekt 424“ von Carlo Borer zwischen dem Hotel Ramada und der Berufsschule installiert. In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Standorte geprüft, diskutiert und auch wieder verworfen. Am nächsten Freitag, den 11. September, um 17.00 Uhr wird das je zu einem Drittel vom Kanton, von der Stadt und vom Künstler selber finanzierte Werk mit einer kleinen Feier in Anwesenheit des Künstlers der Öffentlichkeit übergeben.

Im Jahr 2007 organisierte das Haus der Kunst eine Ausstellung des Solothurner Künstlers Carlo Borer. Im Rahmen der Ausstellung waren im öffentlichen Raum verschiedene grossformatige Skulpturen Borers zu sehen, so unter anderem auf dem Zeughausplatz. Anlässlich einer Aussprache der Stadtverwaltung mit dem Gesamtregierungsrat des Kantons Solothurn zu verschiedensten Themen vereinbarten die beiden Partner, einen gemeinsamen Kauf dieser Skulptur zu prüfen. Die Umsetzung dieser Vereinbarung dauerte allerdings ihre Zeit.
Nach dem Entscheid, auf dem Zeughausplatz definitiv keine Parkplätze mehr einzurichten und der internen Meinungsbildung innerhalb der Verwaltung, stellte der Stadtpräsident Ende 2008 einen Antrag an den Lotteriefonds um Mitfinanzierung des Kunstwerks, welcher grundsätzlich positiv beantwortet wurde.
 
Zeughausplatz nicht geeignet
Für die Anschaffung der Skulptur und die Installation auf dem Zeughausplatz bewilligte die Stadt 2010 einen Nachtragskredit. Nach diesem Beschluss lehnten allerdings sowohl die Altstadt- wie auch die Baukommission das Aufstellen einer Skulptur auf dem Zeughausplatz ab, weil dieser für das Aufstellen von Skulpturen grundsätzlich nicht geeignet sei und eine Skulptur in der Mitte des Platzes eine sinnvolle Nutzung verunmöglichen würde. Der Platz diene mit der imposanten Zeughausfassade als Kulisse immer wieder für öffentliche Anlässe. Diese Nutzung solle nicht behindert bzw. verhindert werden. Schliesslich beauftragte die Gemeinderatskommission Ende 2011 das Stadtpräsidium, mögliche Alternativstandorte zu suchen. Praktisch gleichzeitig sicherte der Kanton der Stadt im September 2011 einen Beitrag in der Höhe von Fr. 42'000.- aus dem Lotteriefond an die Anschaffung der Skulptur von Carlo Borer zu.

Neuer Standort, neues Objekt

Im Verlauf der folgenden zwei Jahre evaluierten der Stadtschreiber und die Leiterin des Stadtbauamtes verschiedene Standorte und auch verschiedene für diese Standorte passende Objekte von Carlo Borer. Ende 2013 bewilligte die Gemeinderatskommission auf deren Antrag sowohl einen neuen Standort als auch den Kauf eines anderen Objekts. Neu wurde die Anschaffung des „Objekts 424“ von Carlo Borer sowie dessen Installation im Kreuzackerpark zwischen dem Hotel Ramada und der Berufsschule beschlossen. Nachdem die Baukommission ihr Einverständnis erteilte und deren Bedingungen erfüllt wurden, kann das Werk nun installiert werden.


 
Weitere Informationen:

Hansjörg Boll, Stadtschreiber
Telefon 032 626 92 03
hansjoerg.boll@solothurn.ch



Text von Carlo Borer zum Objekt 424

REALITY BECOMES FICTION

Das an der Aare neben dem Hotel RAMADA aufgestellte Werk Nr. 424, welches scheinbar mit Leichtigkeit über einem Sockel aus Eiben schwebt, entstammt Carlo Borers Loop Formen Zyklus.

Unter Verwendung eines gezielt reduzierten Formenvokabulars, entwirft Carlo Borer Objekte die mit hohem Aufwand gebaut werden. Ihre technische Ästhetik persifliert unsere moderne Zivilisation. Das Widerspiel zwischen technoidem Auftritt und den elegant geschwungenen Konturen, soll uns verführen unsere Zivilisation und unsere Wahrnehmung derer, zu hinterfragen.

So erscheinen seine Objekte wie Relikte aus anderen Welten. Eine Ambivalenz von Archäologie und Science Fiction. Mit einem Augenzwinkern ob der Tatsache dass wir längst in der Utopie angekommen sind. Die glänzende Oberfläche des perfekt gebauten Objekts überhöht diese Suggestion. Eine Option unsere Zivilisation mit fremden Augen zu sehen.

Vergleichbar den Noreadymades, bei welchen CB Fundstücke in einen neuen Kontext setzt. Durch die Vortäuschung einer vermeintlichen Nutzung führt der Künstler den Betrachter auf eine falsche Fährte.

Technik

Carlo Borer entwickelt seine Objekte im virtuellen Raum auf CAD. Mittels komplexer Tools in Virtual Reality, Hightech Werkzeugen (zB. Laser) und schliesslich dem Einsatz anspruchsvollen Handwerks, entstehen seine Fiktionen.

Zitat

„Meine Objekte sind mit hoher Präzision entworfen und gebaut. Sie strahlen den Habitus einer technisch hochentwickelten Gesellschaft aus. Eigenschaften welchen wir üblicherweise Gebrauchsgegenständen zuordnen und im Widerspruch zu den Erwartungen stehen, die wir an ein Kunstwerk stellen. Dieser Konflikt interessiert mich. Ich locke den Betrachter auf eine falsche Fährte. Wobei mich nicht etwa eine simple Kritik an der Technik, sondern vielmehr die Wahrnehmungssysteme des Menschen und deren Funktionsweise an sich interessieren“, erklärt Carlo Borer.

Carlo Borer, geboren in Solothurn, lebt und arbeitet in Oberbipp
www.carloborer.ch

Ab 1981 arbeitet Carlo Borer als bildender Künstler; Ausstellungen in Europa und USA

2014 Schmalfuss Berlin // Park Insel Mainau // New Orleans
2013 White Heart, Haus der Kunst, Solothurn
2011 Einzelausstellung Park Würth, in Chur.
2010 Entwicklung neuer Tools: Developable Surfaces.
2010 One Artist Show, Art Karlsruhe
2009 Objekt für Hilti Foundation
2008 Preis für Objekt Kunst des Kantons Solothurn
Artikel im amerikanischen Magazin Sculpture


Sammlungen (Auswahl)
Würth, Hilti, Mathys, Franke, Bystronic, Dehaan Collection, Stiftung Rotonda, ABB, BIZ (Basel), UBS, Eidgenossenschaft, Kt. und Stadt Solothurn,

Dokument 2015_09_08_MM_Skulptur_Carlo_Borer.pdf (pdf, 165.4 kB)


Datum der Neuigkeit 8. Sept. 2015